Grundlagen der Feuchtemesstechnik

 1. Grundlagen:

Neben der Temperatur ist die Feuchte, d.h. der Wasserdampfgehalt der Luft, eine meteorologisch wichti­ge Größe. Dies wird verständlich, wenn man bedenkt, dass bei einer großen Zahl meteorologischer Erscheinungen das Wasser in seinen verschiedenen Formen beteiligt ist. Das gilt nicht nur bei den Wolken, dem Nebel und den vielen Arten von Niederschlägen, bei deren Bildung ebenso wie bei der Verdunstung auch gewaltige Energiemengen umgesetzt werden, sondern auch für die Emission und Absorption langwelliger Strahlung, für die der Wasserdampfgehalt der Luft wesentlich ist.

2. Feuchtemessgrößen

Entsprechend den vielseitigen Problemstellungen, bei denen die Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielt, gibt es eine ganze Reihe von Feuchtemaßen.

a) Der Wasserdampfdruck eL ist der Partialdruck des Wasserdampfes in der Luft. Er wird normgerecht in Pa (Pascal) angegeben. In der Meteorologie findet man - vor allem in der Literatur - die Druckeinheit mbar (Millibar), die aber seit 1978 nicht mehr verwendet wird. Das Millibar wird durch das HektoPascal (1 mbar = 100 Pa = 1 hPa) ersetzt. Die älteren Druckeinheiten mm Hg oder Torr sind nicht mehr er­laubt (1 Torr = 1.3332 mbar = 133.32 Pa).

Unter normalen Bedingungen kann der Dampfdruck eL den Sättigungsdampfdruck E nicht übersteigen, da bei eL= E Kondensation eintritt. E ist eine reine Funktion der Temperatur und hängt insbesondere nicht vom Luftdruck ab. Die grundlegende physikalische Gleichung, die die Abhängigkeit des Sätti­gungsdampfdruckes von der Temperatur beschreibt, ist die aus der Thermodynamik bekannte Claudius-Clapeyron-Gleichung.

[1]   dE / dT = (r/(ΔV • T))

Dabei ist ΔV die spezifische Volumenänderung beim Phasenübergang von Wasser zu Wasserdampf (bzw. von Eis zu Wasserdampf) und r die zugehörige spezifische Phasenumwandlungswärme (in J/kg). Vernachlässigt man das Volumen der flüssigen/festen Phase gegenüber dem der Gasphase, kann man für V = 1/pw die ideale Gasgleichung für Wasserdampf einsetzen, und erhält

[2]   dE / dT = Er ( Rw • T2 (2)

wobei Rw die Gaskonstante für Wasserdampf ist ( 461.4 J kg-1K-1).

Wäre r konstant, ließe sich diese Gleichung problemlos integrieren, aber dies ist nicht der Fall. Wie man sich durch einen Carnot`schen Kreisprozeß entlang der Phasengrenzkurve Wasser / Wasserdampf (oder Eis/Wasserdampf) leicht veranschaulichen kann, gilt

[3]    r(T) = r (T0) - (cw- cpW) (T - T0). 

T0ist dabei eine (im Prinzip beliebige) Referenztemperatur, und cw(cpw) ist die spezifische Wärmeka­pazität des flüssigen WasserS (des Wasserdampfes). Wegen cw > cpw nimmt r mit zunehmender Temperatur ab.

Setzt man (3) in (2) ein, ergibt sich

dE / dT = Er ( Rw • T2•r(T0)-(cw-CpW) (T - T0) (4)

Unter der Annahme konstanter spezifischer Wärmekapazitäten läßt sich auch diese Gleichung integ­rieren

ln(E / E0) =(r (T0)+T0(cw - cpw))/Rw[(1/T0) - (1/T)] -[(cw-cpw)/Rw]ln(T/T0)

bzw. E = E0[T0/T]((cw-cpw)/Rw) • exp[( r (T0)+T0(cw - cpw))/Rw)  [(1/T0) - (1/T)] ] 

Setzt man

 

T0=

273.15 K,

Rw =

461.4 J kg-1 K-1,

cw=

4186.8 J kg-1K-1,

cpw=

1850 J kg-1K-1 und

r(T0)=

2.501•106 J kg-1

 

ein, so erhält man

E = 6,1078 hPa[273,15/T]5,072 • exp [6804,75[3,661•10-3 - (1/T)]]

Leider hängen auch cw und cpw etwas von der Temperatur ab, so dass die Formel (6) bei höheren Temperaturen ungenau wird. In der Praxis verwendet man daher meist empirische Formeln (die so­genannten Magnus-Formeln), die aus genauen Labormessungen gewonnen wurden. Im folgenden sind die Magnus-Formeln für den Sättigungsdampfdruck über Wasser (Gültigkeitsbereich 0 °C -100 °C), über unterkühltem Wasser (Gültigkeitsbereich -50 °C - 0 °C) und über EiS (Gültigkeitsbereich -50 °C - 0 °C) angegeben.

 

 

 

 

 [( 22.4429 • 

Wasser (0 °C -100 °C)

E = 6.1078 • e [(17.0809 •e)/( 234-175+e)] (7)

Unterkühltes Wasser:

E = 6.1078 • e [(17.8436 • e) / (245,425+e)]

Eis(-50 °C-0 °C)

E = 6.1071• e

e] / (27244 + e)]

 

In diesen Zahlenwertgleichungen ergibt sich E in hPa, wenn man θ(°C )einsetzt. Sie beziehen sich auf den Dampfdruck, der im Gleichgewicht mit einer ebenen Oberfläche reinen WasserS (Eises) steht. Über Eis ist der Sättigungsdampfdruck, abgesehen vom Wert bei 7.4 •10-3 °C (Tripelpunkt), niedriger als über einer gleichtemperierten Oberfläche (unterkühlten) Wassers. Einen Anhaltspunkt für E(θ) soll folgende Tabelle bieten:

 

θ(ªC)

:-30

-20

-10

0

10

20

30

°C

 

Ew:

0.51

1.25

2.86

6.11

12.29

23.42

42.49

hPa

 

 

EE:

0.38

1.03

2.60

6.11

 

 

 

hPa

 

b) Der Taupunkt θd ist jene Temperatur, deren Sättigungsdampfdruck über Wasser Ewd) gerade gleich dem wirklichen Dampfdruck eLL)ist. Beim Bezug auf Eis spricht man vom Reifpunkt.

Es gilt also: Ewd) = eLL).

c) Die absolute Luftfeuchtigkeit a ist die Dichte des Wasserdampfes, also die Masse des Wasserdampfes je Volumeneinheit. Die korrekte Angabe der absoluten Luftfeuchtigkeit ist kg-m-3. Um handliche
Zahlenwerte zu erhalten, gibt man a meist in g-m-3 an. Aus der Gasgleichung a = ρw = eL /RW • T kann man die Formel

a = 0.795 • eL / [l + (θ/273)] (10)

 

ableiten. Sie ergibt a in g-m-3 (bzw. mgl-), wenn man eL in hPa und θ(°C) einsetzt.

d) Die spezifische Feuchte s ist das Verhältnis der Masse des Wasserdampfes zur Gesamtmasse der feuchten Luft des gleichen Volumens. Dies ist gleichbedeutend mit dem Verhältnis der entsprechen­
den Dichten, also s = ρw/(pL + pw). Mit Hilfe der Gasgleichung und RL/Rw = 0.623 folgt

s = (0,623 • eL ) / (p - 0,377 • eL),

wobei p und eL in beliebigen (gleichen) Einheiten angegeben werden können, s ist eine reine Zahl; sie wird aber meist in g-kg-1 = 10-3 angegeben. Wegen eL«p kann man Gl. (11) in sehr guter Näherung in

5 = 623 • (eL /p) g/Kg 

umformen.

e) Das Mischungsverhältnis m ist das Verhältnis der Masse des Wasserdampfes zur Masse der wasserdampffreien Luft des gleichen Volumens. Aus dieser Definition folgt

m = .(623 • eL) / (p - eL)

Bezüglich der Einheiten gilt das vorher bei s Gesagte. Näherungsweise ist m = s, so dass als Näherungsformel (12) dienen kann.

Dass zwei so ähnliche Größen wie s und m gleichzeitig benutzt werden, rührt davon her, dass manche Gesetze sich einfacher mit s, manche einfacher mit m schreiben lassen. Für die meisten praktischen Zwecke sind s und m gleich. Beide sind typisch meteorologische Feuchtegrößen. Als Verhältnisse von Massen im gleichen Volumen ändert sich ihr Wert bei Druck- und Temperaturänderungen der Feucht­luft nicht. Sie ändern sich also im Gegensatz zu den anderen Feuchtegrößen insbesondere bei Verti­kalverschiebungen eines Luftpaketes nicht und sind daher bei vielen meteorologisch bedeutsamen Vorgängen (z.B. adiabatischem Aufsteigen) invariant.

f) Das Sättiqunqsdefizit EL - eL. auch Dampfhunger genannt, wird manchmal bei Überlegungen, die mitder Verdunstung zusammenhängen, mit Vorteil benutzt. Es ist aber ebensowenig ein Maß für den
Wasserdampfgehalt der Luft wie

g) die relative Luftfeuchtigkeit f. Diese gibt das Verhältnis des aktuellen Wasserdampfdruckes eL zum Sättigungsdampfdruck EL über Wasser (!) bei der Lufttemperatur tL an.

f = (eL / EL) = 100 • (eL / EL)

f wird meist in % angegeben. Seine häufige Verwendung verdankt es wohl nicht zuletzt seiner einfa­chen Messung. Manchmal benötigt man auch das


h) relative Sättigungsdefizit EL / eL

(EL / eL)/EL = 1 - f(15)

 

d.h. die Ergänzung von f auf 1

i) Schließlich wären hier noch zwei Größen wenigstens zu erwähnen, die als Feuchtegrößen gelten können, wenn sie auch keine direkten Angaben des Feuchtegehalts sind: Die Feuchttemperatur t` und die Äquivalenttemperatur fla.

 

Neben der Temperatur ist die Feuchte, d.h. der Wasserdampfgehalt der Luft, eine meteorologisch wichti­ge Größe. Dies wird verständlich, wenn man bedenkt, dass bei einer großen Zahl meteorologischer

 

 

3. Feuchte-Messverfahren

Der großen Zahl von Feuchtemessgrößen entspricht eine kaum kleinere Zahl von Feuchtemeßmethoden, von denen einige die direkte Messung der einen oder anderen oben genannten Größe erlauben.

a) Leider gibt es kein einfaches und gutes Verfahren zur direkten Bestimmung des Dampfdruckes eL. Die Rüdorffsche Flasche, bei der man die zu untersuchende Luft in eine Flasche leitet und durch Einbrin­gen eines Trockenmittels den Wasserdampf entzieht, so dass die Druckabnahme gleich e sein sollte, liefert wegen der Druck- und Temperaturänderungen während der Messung unzulängliche Werte und hat so mehr Charakter eines Demonstrationsobjektes. Ebenso haben Versuche mit wasserdampf­durchlässigen aber luftundurchlässigen Folien (Cellophan) bisher zu keinen befriedigenden Ergebnis­sen geführt. Mit einer gewissen Berechtigung könnte man die unter b), e) und f) genannten Verfahren, bei denen im Gleichgewicht der Dampfdruck des Meßfühlers gleich dem der Luft ist, hierzu zählen.

b)Kühlt man eine nicht hygroskopische Oberfläche langsam immer weiter unter die Lufttemperatur ab, so wird schließlich nach Erreichen des Taupunktes td ein Beschlag mit Kondenswasser auftreten, der bei Erwärmung wieder verschwindet. Man könnte erwarten, dass die Temperatur bei Beginn des Beschlags und die Temperatur beim Verschwinden des Beschlags gleich der Taupunktstemperatur td sind. In Wirklichkeit liegt erstere unterhalb, letztere oberhalb von td. Für die meisten Fälle genügt es, den Mittelwert beider Ablesungen als Δd zu nehmen. Das einfache Messprinzip hat zur Konstruktion von vielen Typen von Kondensationshyqrometern (Taupunktspieqel) geführt, deren Meßgenauigkeit aber vielfach nicht den Erwartungen entsprach. Dies ist u.a. auf die Schwierigkeiten zurückzuführen, die notwendige nichthygroskopische Oberfläche herzustellen. Die besten Erfahrun­gen machte man mit polierten Metalloberflächen (v.a. Gold). Unter 0 °C, wo die Taupunktmethode wegen der zunehmenden Fehler anderer Feuchtemessverfahren von besonderem Interesse wäre, macht die Entscheidung, ob der Beschlag (unterkühlter) Tau oder Reif ist, mitunter Schwierigkeiten. Schließlich hat die Tatsache, dass die vorbeistreichende Luft keineswegs bezüglich ihrer Feuchte ho­mogen ist, weil feuchtere und trockenere Luftteile einander abwechseln, Ungenauigkeiten zur Folge.

Immerhin hat die moderne Messtechnik Wege gefunden, um diese Fehler zu vermindern, indem man durch dünne plättchenförmige Meßelemente die Trägheit stark herabsetzt, Kühlung und Heizung (die­se teilweise induktiv, Wirbelstromheizung) automatisch rasch aufeinander folgen läßt, den Beschlag photoelektrisch feststellt und für raschen Luftwechsel sorgt. Von mehreren Seiten wurden unter Ein­satz der modernen Elektronik vollautomatische Geräte entwickelt, die aber - nicht zuletzt wegen der Kosten - nicht allgemein eingesetzt werden können.

c) Mit Absorptionshvqrometern wird die direkte Messung der absoluten Feuchte a vorgenommen. Dazu leitet man die zu untersuchende Luft durch Gefäße (U-Rohre, Zylinder) mit stark hygroskopischen Stoffen (H2SO4 an Bimsstein, CaP2O5CI2, ), die den Wasserdampf absorbieren; aus der Gewichtszu­nahme der Messröhren und dem Volumen der durchgeströmten Luft ergibt sich direkt a. Das Verfahren ist bei genügender Sorgfalt zwar sehr genau, es ist aber doch arbeitsmäßig sehr aufwendig, so dass es mehr auf Laborversuche beschränkt bleibt und im praktischen Dienst nicht verwendet wird.


d) 
Der Sättigungsdampfdruck EL über reinem Wasser ist - wie schon oben gesagt wurde - durch Gl. (7) bzw. die anschließende Tabelle gegeben und eine reine Temperaturfunktion. Ist das Wasser in ande­ren Stoffen enthalten oder sind solche in Wasser gelöst, so ist der dann auftretende Dampfdruck eL durch

eL = f•EL (16)

gegeben, wobei f < 1 meist ein praktisch von der Temperatur unabhängiger und nur vom Wasserge­halt der Substanz abhängiger Faktor ist. Im Dampfdruckgleichgewicht mit der umgebenden Luft ist also der eindeutig mit f zusammenhängende Wassergehalt der Meßfühlersubstanz ein Maß für die relative Luftfeuchtigkeit, deren Definition nach Gl. (14) mit (16) identisch ist. Dabei muß natürlich das Meßelement Lufttemperatur haben. Mißt man den Wassergehalt solcher Substanzen, was natürlich auch indirekt über andere vom Wassergehalt abhängige Eigenschaften geschehen kann, so erhält man zunächst die relative Luftfeuchtigkeit f und aus ihr und der Lufttemperatur den Dampfdruck eL. Auf dieser Möglichkeit beruht eine ganze Reihe von Feuchtemeßverfahren.

Die naheliegende Wassergehaltsmessung durch Wägung wurde mehrfach bei Einzeluntersuchungen benutzt, ebenso die Beobachtung der Volumänderungen an einer passend gewählten Reihe von Lösungen verschiedenen Wassergehalts. Eine weitaus wichtigere Rolle spielt dagegen die vom Wasser­gehalt (und damit von f) abhängige Quellung. Trotz umfangreicher Untersuchungen auch mit neuarti­gen Kunststoffen konnte - abgesehen von Fällen mit besonderer Fragestellung - hier das erste Feuch­temeßelement, nämlich das entfettete menschliche Haar (Saussure 1783), noch nicht verdrängt wer­den. Dieses ändert zwischen 0 und 100 % relativer Luftfeuchtigkeit seine Länge etwa um 2.5 %, wobei der Zusammenhang zwischen der relativen Längenänderung X, und der relativen Luftfeuchtigkeit f allerdings nicht linear ist.

f:    

0

10

20

30

40

50

60

70

80

90

100

%

X

0

21

39

53

64

73

79

85

90

95

100

%

Diese Beziehung gilt für das nach der üblichen Methode behandelte Haar, die das Gewebe entfettet, ohne dass das Gewebe angegriffen wird. Neuere Behandlungsmethoden ergeben andere Kennlinien, die mitunter besser linear sind.

Durch mechanische Vergrößerungen der Haarlängenänderung kann sie als Ausschlag an einer etwa gleich in % rel. Feuchte geteilten Skala leicht ablesbar gemacht werden. Einer der gebräuchlichsten Typen des Haarhygrometers ist das Hygrometer nach Koppe. Bei ihm ist das Haar frei in einem Rahmen eingespannt. Das eine Ende ist um eine Rolle geschlungen, welche den Zeiger bewegt. Das andere Ende ist fest einstellbar, so dass die Anzeige an einem Skalenpunkt mit der wahren Luftfeuchtig­keit in Übereinstimmung gebracht werden kann. Als Eichpunkt dient der Sättigungspunkt. Die Luft um das Haar kann gesättigt werden, indem man in das Gerät einen mit nassem Mull bespannten Rahmen einführt und es abschließt. Dann stellt sich alsbald Sättigung ein, und der Zeiger kann auf den 100 %-

Punkt gestellt werden. Zur weiteren Prüfung kann man nachher Umhüllung und Mull entfernen und die Anzeige bei mittleren Feuchtewerten (Zimmer) mit einem anderen Feuchtemeßgerät vergleichen. Eventuell muß eine Korrekturtabelle angefertigt werden.

Neben dem Koppe-Hygrometer werden natürlich auch andere Typen verwendet. Für Messungen in kleinen Räumen ist das Haarhygrometer nach Diem vielfach gut brauchbar.Zeigerhygrometer in Dosenform, die auch die Temperatur anzeigen (Polymeter), erlauben es, bei Ausführungen mit zwei Zeigern am Schnittpunkt beider in einem Diagramm die absolute Feuchte abzulesen u.a. Da die relative Luftfeuchtigkeit ein Anhaltspunkt für den Wassergehalt von Gütern wie Holz, Getreide, Tabak usw. ist, hat man für diesen Zweck Stechhygrometer gebaut.

Leider zeigt das Haar einige Mängel. Seine Anzeige kann auf 2...3% relativer Feuchte genau angesehen werden, sofern es immer wieder mit einem Psychrometer verglichen wird. Bei längerem Stehen in trockener Luft zeigt es Alterungserscheinungen, die Fehler bis zu 10 % bewirken können. Die Fehler verschwinden weitgehend, wenn man das Haar kurzfristig in gesättigte oder beinahe gesättigte Luft bringt und so "regeneriert". Bei Messungen im Freiland dürfte dies ohnehin fast jede Nacht der Fall sein. Geringe Zerrungen können durch "Regeneration" rückgängig gemacht werden, starke machen das Haar unbrauchbar. Einwandfrei arbeiten nur saubere Haare, so dass man sie nicht mit den Fingern berühren soll. Trotz des geringen DurchmesserS (50 µm) ist vor allem bei tiefen Temperaturen mitunter (z.B. Radiosonde) eine geringere Trägheit erwünscht. Dies hat Frankenberger durch Walzen der Haare (Velox-Haar) erreicht. Allerdings ändern solche starken Eingriffe, die auch mit chemischen Mitteln möglich sind, die Charakteristik und vermindern die Festigkeit.

Das Haar hat aber auch Vorzüge. Auf die praktisch von der Temperatur unabhängige Anzeige der relativen Luftfeuchtigkeit wurde schon oben hingewiesen. Sein größter Vorteil ist aber, dass man seine Anzeige mit einfachen Mitteln registrieren kann, ein Vorzug, der dem Haarhygrometer - und damit wohl nicht ganz zu Recht auch der relativen Luftfeuchtigkeit - trotz aller Mängel eine schwer anfechtbare Stellung einbrachte. Da die Einstellkraft eines einzigen Haares zur Überwindung der Reibung eines Schreibgerätes nicht ausreicht, werden dort mehrere Haare als Bündel oder Harfen verwendet . Erwähnt sei noch, dass die Längenänderung mit entsprechenden elektrischen Verfahren (z.B. Widerstandsgeber) auf vom Meßort weit entfernte Anzeige- und Registriergeräte übertragen werden kann.

Wie schon oben gesagt wurde, können außer der Längenänderung quellender Stoffe auch andere vom Wassergehalt abhängige Eigenschaften als primäre Meßgröße dienen. So wurden die schon bei einfachen Hygroskopen gebräuchlichen Farbänderungen von Kobaltsalzen ebenso benutzt wie die Abhängigkeit des dielektrischen Verhaltens vom Wassergehalt.

e) Die elektrische Leitfähigkeit gewinnt für die Luftfeuchtemessung zunehmend an Bedeutung. Diese hängt bei Lösungen von Salzen o.a. stark von der Konzentration, d.h. vom Wassergehalt ab. Da die an sich störende Abhängigkeit von der Temperatur gut bekannt ist, kann sie rechnerisch oder bei neueren Verfahren sogar durch passende Schaltungen eliminiert werden. So wird als Feuchtemeße­lement der US-Radiosonde ein mit zwei Elektroden versehener Glasstreifen benutzt. Zwischen den Elektroden befindet sich eine dünne Schicht eines Kunststoffes, in die LiCI als hygroskopische Substanz eingebettet ist. Wie beim Haar ist auch hier im Gleichgewicht der Dampfdruck der wasserhalti­gen Substanz gleich dem der Luft. Die direkte Messung als elektrische Größe ist gerade für die Ra­diosonde ein merklicher Vorteil. Natürlich können neben LiCI auch andere passende Stoffe benutzt werden.

f) Äußerlich ähnlich ist ein anderes Verfahren, bei dem meist auch LiCI mit einer Trägersubstanz verwendet wird. Dabei wird aber über die Elektroden ein Heizstrom durch den hygroskopischen Film geschickt, so dass sich das Meßelement erwärmt und Wasser verdunstet, bis eine konzentrierte LiCI-Lösung erreicht wird, bei der sich Kristalle abscheiden. Im Gleichgewicht ist dann der Dampfdruck der konzentrierten LiCI - Lösung gleich dem der Luft. Aus der Temperatur des Meßelementes kann man nach einer empirischen Beziehung bzw. durch Eichung den Dampfdruck e ermitteln. Da die Ventilation(Wärmehaushaltsgleichung!) die Eichkurve beeinflußt, muß sie konstant sein, was man meist durch Windschutzvorrichtungen zu erreichen versucht.

g) Auch die Kapazitätsänderung eines Kondensators durch Änderung des Dielektrikums bei Anwesen­ heit von Wassermolekülen kann zur Feuchtemessung genutzt werden. Dies geschieht bei dem im Versuch zu benutzenden "Hygrotest". Das Dielektrikum im Kondensator dieses Feuchtefühlers ist ein
Gemisch hochpolymerer Kunststoffe, die als Funktion des Wasserdampfpartialdruckes Wassermole­ küle absorbieren. Diese richten sich wegen ihres eigenen Dipolmomentes im Feld des Kondensators auS (Orientierungspolarisation) und bewirken somit eine Kapazitätsveränderung, die intern umgerech­net und digital als relative Feuchte angezeigt wird.

h) Bei allen bisher beschriebenen Feuchtemeßverfahren verbreitetsten Feuchtemeßgerät wird am Meßelement Wasserdampf in flüssiges Wasser verwandelt bzw. umgekehrt. Dies führt wegen des sehr geringen Wassergehalts der Luft bei tiefen Temperaturen dazu, daß die Einstellzeiten sehr groß werden. Vor allem deswegen vermag man z.Z. im Routineradiosondendienst nur wenig zuverlässige Feuchtewerte aus Höhen über 7 km zu gewinnen. Es ist daher verständlich, daß man Verfahren sucht, die den Wassergehalt der Luft ohne seine Umwandlung in andere Zustandsformen messen. Die Entwicklung von Verfahren, die mit Hilfe der selektiven Absorption in geeigneten Spektralbereichen den Wasserdampfgehalt zu messen versuchen, hat teilweise schon beachtliche Erfolge gezeitigt. Dies gilt nicht nur für die Bestimmung des gesamten in einer Luftsäule enthaltenen WasserS (Wasseräquivalent) mit Hilfe der Absorption der kurzwelligen Strahlung im nahen Infrarot ( < 1 µm)sondern auch für Messungen im Bereich der langwelligen Strahlung (10 µm) und neuerdings im Bereich der cm-Wellen.

i) 
Ergänzend zu den bisher beschriebenen Feuchtenmessverfahren stellt das Psychrometer eine eigene weitverbreitete Gruppe vonMessgeräten zur exakten Ermittlung von Feuchteoparametern dar. Psychrometer bestehen aus zwei gleichartigen Thermometern, wobei das Quecksilbergefäss des einen mit einem kontinuierlich befeuchtetem Mullstrumpf überzogen ist. Dem "feuchten" Thermometer wird durch Verdunstung Wärme entzogen und zeigt in Folge dessen eine niedrigere Temperatur als das " trockne" Thermometer an. Die Temperaturdifferenz zwischen beiden Thermometern ist ein Mass für die relative Feuchte. Die Genauigkeit des Psychrometers hängt ab von Grunde gelegten Messmethode. Unterschieden werden natürlich ventilierte Psychrometer nach August und künstlich ventilierte Hütten-Psychrometer. Das Aspirationsspsychrometer nach Assmann gilt als Referenzgerät zur Überprüfung von Temperatur-Feuchtemessgeräten.

 

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